Der Körper ist uns allen inne

Das Festival „Theater in Bewegung“ lädt vom 12. bis 20.11. eine Reihe ausgewählter und unkonventioneller Choreographien nach Jena ein. Choreographien, die eindrücklich beweisen, dass der zeitgenössische Tanz die lingua franca der darstellenden Kunst ist, die über Grenzen hinweg wirken kann. Kulturelle Differenzen verschwinden, vermeintliche Verständigungsnöte lösen sich auf. Ganz gleich woher die Tänzer und Choreographen stammen, ganz gleich welche Sprache sie sprechen, der Tanz ist das Medium, mit dem man sich versteht und dem Zuschauer Geschichten erzählt. Mal berührend, mal unterhaltend und verstörend zugleich, doch immer über die uns allen innewohnende Körpersprache. In der Auseinandersetzung mit dieser physischen Ausdrucksweise entstehen immer wieder neue Formen des Tanzes, für deren Präsentation auf der Bühne wir als Festival verantwortlich zeichnen.

So eröffnen wir gleich am 12.11. das Festival mit einer sehr akrobatischen Produktion der Gruppe Overhead Project. In „Carnival of the body“ entsteht in der Reflexion der eigenen Geschlechterdarstellung zweier männlicher Darsteller eine Verschmelzung der Grenzen zwischen zeitgenössischem Tanz und neuem Zirkus. Thematisch anknüpfend hat sich das Künstlerkollektiv RENEGADE in der Arbeit „The Family“ dem Thema Männlichkeit gewidmet und bittet dafür getreu dem Motto Testosteron pur! keine einzige Frau auf die Bühne.

Das Kontrastprogramm dazu zeigen zwei Solistinnen mit ebenso selbstkritischen Produktionen. Die Österreicherin Doris Uhlich erforscht in „Universal Dancer“ unter Zuhilfenahme einer Maschine die Kraft, die es braucht, um große Dinge zu verändern. Und Maura Morales sucht in ihrer trostlosen fast verloren geglaubten Welt nach dem „Wunschkonzert“ und dem schier unerfüllbaren Ausweg aus der tristen Realität.

Gleich zwei Neuerungen findet man im Spielplan des diesjährigen Festivals. Am 14.11. werden an einem Abend erstmalig zwei Tanzstücke zu sehen sein. Ein sinnbetonendes Frau-Mann-Duett (Stephen Shropshires „My Everlasting“) im Theaterhaus und im Anschluss François Chaignauds „Dumy Moyi“ als intimes Happening im Kassablanca. Das zweite Novum im Programm sind Workshops mit Tänzern der Compagnie RENEGADE am 19.11. für alle Bewegungsinteressierten.